Sie sind wunderschön, deine schneebedeckten Berge. Es ist ein Genuss für mein Auge, deine saftigen, grünen Wiesen zu sehen. Deine Blumenfelder. Deine Herbstwälder. Doch die Bewohner, die sich deine Bürger schimpfen, wollen sich nicht von dir bezaubern lassen. Der Mammon, Dämon des Geldes, hat uns fest in seiner Hand. Unser Herz wird von ihm benebelt – die wärmende Sonne somit abgeschirmt. Viel lieber lassen wir Geschwürpflanzen wachsen. Geschwüre wie Eifersucht, Hass, Schadenfreude, Bitterkeit und vor allem die Gunst und Missgunst des Geldes wachsen in Eile. Der Grundstein, auf dem du gegründet wurdest, verliert täglich an Gültigkeit. Liebe Schweiz, wir sind nicht mehr wie unsere Väter. Wir sind kein Volk von einig Brüder, die Not und Gefahr trennt uns. Wir sind nicht frei, wie unsere Väter waren sondern gefangen von Geschwürpflanzen und den umringenden Nebel Mammons. Die Knechtschaft hat über den Tod gesiegt. Und auf Gott trauen wir schon lange nicht mehr – stempeln ihn als 2000 Jahre altes Märchen ab. Und die Macht der Menschen fürchten wir nicht – wir haben uns an sie gewöhnt! Liebe Schweiz, wir stecken in der Krise. Anstatt sie gemeinsam zu lösen ziehen wir es vor, Giftpfeile zu schiessen. Der sozialdemokratische Bund, der lange Zeit im Untergrund geschwiegen hat, hat nun Lunte gerochen und sieht sich nun als Befreier der Nation. Immer wieder spriessen Krieger aus ihren Reihen, die ihre Schwerter zum Kampf richten gegen die bösartige Zunft der drei Schlüssel. Der Pöbel schreit die Kampfparolen, die die Boten des geschriebenen Wortes verbreiten. Die Boten, ihrer Macht bewusst (die Feder ist mächtiger als das Schwert), verzichten auf vollständige Informationsausschöpfung um den Pöbel zusätzlich in Rage zu treiben. Die Schlacht wird bereits ausgetragen. Liebe Schweiz, dies wird ein dunkles Kapitel in deiner Geschichte. Der Schuldige wird mit Gewissheit bestimmt. Ob er nun definitiv der Schuldige ist oder nicht werden wir nie erfahren. Ich hoffe, du wirst uns verzeihen – verzeihen, weil wir uns von dir abwenden. Mögen unsere Nachkommen wieder auf deine Tugenden besinnen.
In Ehrfurcht, ein Bewohner der sich dein Bürger schimpft.
Sam Bass Sagte:
on 5. Februar 2009 at 8:39
Gut geschrieben…
(verstehe nicht, dass der Text hätte nicht veröffentlicht werden können)
Judith Sagte:
on 26. Februar 2009 at 10:26
Wenn ich das richtig verstehe, informieren die bösen Journalisten sehr einseitig über die Bank mit den drei Schlüsseln. Was ist die andere Seite? Würde mich wirklich interessieren.
Gestern in der Rundschau sagte der Moderator, die UBS habe zugegeben, über Jahre ein betrügerisches System in der USA aufgebaut zu haben. Was ist hier die andere Seite?
likrobas Sagte:
on 4. März 2009 at 13:02
Der Artikel wurde aufgrund der ewigen Polemik gegen die Boni verfasst. Hat also nichts mit der Steueraffäre in der USA zu tun. Dieses Kapitel ist natürlich ein untragbares Ding. Was da genau gelaufen ist, kann ich nicht beurteilen, weil mir schlicht die Fakten fehlen. Und ehrlich gesagt habe ich damit auch nicht viel am Hut. Allerdings, wenn’s um meinen Lohn geht, bin ich sehr wohl betroffen davon.
Weiter ist es gerade für uns Fussvolk relativ hart in dieser Zeit. Diejenigen, die am Schalter arbeiten, werden wohl schon bald psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen müssen ab all den verbalen Ohrfeigen die sie Einstecken müssen. Das traurige ist effektiv, das ca. 95% der Mitarbeiter für all die Scheisse nichts dafür kann.
Ich hab nirgends geschrieben, dass die Journalisten böse sind – ich hab nur geschrieben, dass sie nur die Schwachpunkte gezielt hervorheben und somit die Meinung des Volkes anheizen. Klar, die UBS hätte auch sonst einen Reputationsverlust. Dennoch, wäre allen voran das Stammtischblatt aus dem Ringier-Haus nicht so manipulativ einseitig geschrieben, hätte man durchaus die Chance gehabt, das Vertrauen in einer günstigen Zeit (ca. 3-5 Jahre) wieder aufzuarbeiten. Jetzt wird’s wohl ein wenig länger dauern.
Übrigens: ja, hab auch einen Boni erhalten. CHF 3′200.–