Archiv fürMai 21, 2008

Einbürgerungsinitiative: NEIN

Wir schreiben den 11. September 1999. In einer Zürcher Agglomerationsstadt herrscht buntes Treiben am Herbstmarkt und eine kleine Schar von Leuten macht sich bereit, den Jugendlichen in besagter Stadt am Abend ein kleines Fest zu organisieren. Die Leute kamen spärlich. An der Kasse, die ich bedient hatte, wurde einem ausländlischen Jugendlichen der Eintritt verwehrt, weil er dafür nicht bezahlen wollte. Innerlich erbost Schritt er von dannen seine Gang zu organisieren, um mir danach mächtig auf die Hucke zu geben. Ja, ich hatte Mühe damit und ja, ich hab ihn gehasst.

Im Affekt hätte ich wohl die Einbürgerungsinitiative mit einem „Ja“ unterstützt. Mittlerweile ist’s wieder ein paar Jahre her und mein Gehirn hat schon länger wieder auf Normalbetrieb umgeschaltet. Somit ist auch Vernunft wieder an der Tagesordnung. Und genau deshalb beurteile ich auch die Einbürgerungsinitiative der SVP anders. Darum werde ich auch ein dickes „NEIN“ in die Urne werfen!

Wieso ich diese Initiative nicht unterstützen kann, hat vielerlei Gründe. Nämlich:

1. Grund: Der Mensch

Ein wichtiger Grundsatz in meinem Leben: Ein Mensch ist ein Mensch. Es gibt keine grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Menschen. Der grösste Unterschied ist das Geschlecht. Der eine kann im Stehen pinkeln, die andere dafür Kinder stillen. Danach kommen noch so Kleinigkeiten wie Hautfarbe, Gesundheit, Einstellung und Glaube hinzu. Würde ich die Initiative unterstützen, müsste ich meine Grundsätze umdrehen und die Hautfarbe, Gesundheit, Einstellung und Glaube über das Mensch sein setzen.

2. Grund: Meine Wurzeln

Als Bürger des Kantons Obwalden hätte ich ja allen Grund, stolz auf meine Vorfahren und mein Land zu sein. Die zauberhafte, hügelige Landschaft und die gute Wirtschaftslage fördern gewiss meinen Lebensstandard. Doch was kann ich dafür, dass die beiden, die mir im Höhepunkt ihrer Zweisamkeit das Leben geschenkt haben, genau in diesem Land wohnen? Es ist mir bewusst, wie viel Glück ich habe, nicht als hungerndes Kind südlich des Äquators geboren worden zu sein. Wieso also sollten andere nicht auch an meinem Glück teilhaben dürfen?

3. Grund: Das Geld, die Sicherheit

Wer in einem Team arbeitet kennt wahrscheinlich das Phänomen, dass es durchaus Leute gibt, die mehr verdienen als ich selbst. Diejenigen können sich auch die dickere Karre oder den moderneren Super-Chef-2-mal-Eingaser-Grill, der die optimale Fleischtemperatur misst und den Gaumenschmaus automatisch wendet, leisten. Aufgrund diverser Beobachtungen stelle ich deshalb die These auf, dass die Armee der Missgunsts-Dämonen ihren Hauptsitz in die Schweiz verlegt hat, genauer noch Zürich. :) Doch zurück zum Thema. Mich erstaunt es kaum, dass Flüchtlinge und Asylbewerber sowie andere Ausländer die Schweiz als ihr neues Domizil wünschen und deshalb auch ihr Glück versuchen. Die Verlockung nach Geld und Reichtum ist enorm gross. Deshalb haben sie mein volles Verständnis, dass sie bei uns einwandern. Auch in punkto Sicherheit ist die Schweiz eines der führenden Länder.

4. Grund: Wachsende Negativismen

Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, wo mir die Schweizer mehr Mühe bereiten als die Ausländer. Egoismus, Faschismus und andere Negativismen wachsen bei diversen Exemplaren wie ein Hirngeschwür. Die Tendenz, dass unser Rechtstaat zu einem Rechtsstaat verkommt, finde ich besorgniserregend. Aus der jüngsten Weltgeschichte sollten wir uns eigentlich im Klaren sein, welche Folgen eine Wertung der Klassenunterschiede in der Menschheit haben wird. Als Beispiele dienen uns die Unruhen in China, die Apartheitsregime sowie natürlich auch der 2. Weltkrieg. Ich bin überzeugt davon, dass eine Annahme der Einbürgerungsinitiative für die Schweiz Konsequenzen haben wird – in ferner Zukunft.

5. Grund: Die Initianten

In meinen jungen Jahren war ich jeweils amüsiert über Christoph Blocher, der die Angriffe Andersdenkender verbal kontern konnte. Die SF1-Sendung Arena war spannend und unterhaltsam. Seit ich mich etwas vertiefter in die Politik einlese, stellen sich bei mir ob der SVP nicht nur die Nackenhaare auf, wenn ich entweder Inserate, Kommentare o.ä. lese. Der Umgang mit den Menschen ist vor allem bei den Parteiführenden alles andere als human. Allen voran der Zürcher Flügel leistet sich den einen oder anderen verbalen Fehltritt. Politisch bewegen sich jene, die sich als Vertreters des Volkes schimpfen, auf dünnem Eis. Ihre Anhänger stehen ihnen meist in nichts nach und verteitigen ihre Einheit bis auf’s Blut. Helvetia würde den Speer werfen, wenn sie nur könnte.

Deshalb heisst’s bei mir „NEIN“. Dem Menschen und der Würde zuliebe.